– OBERURSEL (MedCon) – Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS), kritisiert den Vorschlag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), wonach Ärzte künftig nur noch Wirkstoffe verschreiben sollen. Die Umstellung von Patienten sei mitunter schwierig.
"Wir haben bereits jetzt schon - durch starke finanzielle Repressionen geprägt - Einschränkung der Therapiefreiheit", sagte Müller-Schwefe gegenüber der MedCon-Redaktion. Er stört sich vor allem an dem generalisierenden Charakter des Vorschlags. Bei einigen Präparaten sei es leicht möglich, Patienten auf Generika umzustellen. Es gebe aber Medikamente, bei denen ein Wechsel mehr Kosten verursache als wenn der Arzt die oft über einen langen Zeitraum eingestellten Patienten bei ihrer bisherigen Therapie belasse. Als Beispiel für die hohen Therapiekosten führte der DGS-Präsident die Behandldung von Rückenschmerzpatienten an.
"Es gibt Medikamente, bei denen der Austausch von Substanzen durchaus Schwierigkeiten macht", stellte Müller-Schwefe klar. Zwar sei in den Generika der gleiche Wirkstoff und die gleiche Menge vorhanden, aber bei manchen Präparaten sei "die Freisetzungskinetik völlig unterschiedlich und das merken Patienten".
Müller-Schwefe sieht den Vorstoß der KBV auch vor dem Hintergrund, dass die Standesorganisation immer mehr an Bedeutung verliert: "Man muss ganz klar sehen, dass die Kassenärztliche Vereinigung in vielen Bereichen völlig ausmanövriert ist." Rabattverträge und Hausarztverträge würden jetzt schon am KV-System vorbei gehen. "Die Versorgungsrealität wird zunehmend ohne Kassenärztliche Vereinigungen geprägt und das führt dazu, dass die Kassenärztliche Vereinigung versucht zu retten, was noch zu retten ist." In diesen Kontext müsse man den Vorschlag der KBV einordnen.
Die KBV hatte Anfang der Woche Position zu grundsätzlichen Fragen des Gesundheitssystems bezogen (wir berichteten). KBV-Vorstand Carl Heinz Müller hatte vorgeschlagen, dass niedergelassene Ärzte nur noch Wirkstoffe verordnen sollen. "Die Verantwortung für die Arzneimittelpreise sollen die Krankenkassen und die Pharmaindustrie tragen, da die gesetzlichen Regulierungen für den Arzt unüberschaubar geworden sind."
Noch keine Kommentare vorhanden.